in ,

Fintech Founder zur Rendite mit gutem Gewissen

Wenn Sie das Ziel haben, im neuen Jahr Ihre Finanzen zu optimieren ist #SustainableInvesting ein Langzeit-Trend, den Sie nicht außer Acht lassen sollten. Leeway hat sich mit Sagefund Co-Founderin Sana Al-Badri über die Chancen und Herausforderungen nachhaltiger Investitionen unterhalten.

Du bist Co-Founder und CPO bei Sagefund. Was bietet ihr dort euren Nutzern?

Wir bieten nachhaltige digitale Vermögensverwaltung an. Wir wollen, dass Nutzer langfristig ihre finanziellen Ziele bei uns planen können. Dafür empfehlen wir passende nachhaltige Finanzprodukte. Für den Launch wird das zunächst ein Portfolio mit einer sicheren Strategie sein, das vor allem für Markteinsteiger geeignet ist, die flexibel bleiben wollen. Wir haben außerdem sehr genau darauf geachtet, nur die nachhaltigsten ETFs aufzunehmen.

Ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit ist inzwischen in weiten Teilen der Gesellschaft angekommen. Wir kaufen Bio-Produkte, versuchen Strom und Wasser zu sparen, zu recyceln und vieles mehr. Glaubst du, Verbraucher ziehen da schon die Verbindung zu nachhaltigen Investments?

Ich finde, man muss seine Handlungen immer in Relation zu deren Impact sehen. Wenn man jeden Tag zwei Minuten weniger duscht, wird das unterm Strich keinen großen Unterschied machen. Daher sollte man sich gut aussuchen, wohin man seine emotionale und mentale Energie lenken will.

Die Nordea Bank hat ausgerechnet, dass man mit nachhaltigem Investieren einen 27-mal höheren Impact hat, als durch nachhaltig optimiertes Konsumverhalten.

Das Bewusstsein ist dafür leider noch nicht weit verbreitet.

Ja, vielen ist klar, dass ihre persönlichen Entscheidungen etwas bewirken. Aber das Wissen darüber fehlt, wo die Hebel liegen, mit denen man tatsächlich einen Impact hat.

Was sind deiner Meinung nach die größten Chancen nachhaltiger Investitionen?

Es gibt für Investoren zwei große Vorteile. Der erste davon ist natürlich das gute Gewissen. Man weiß, dass man selber nicht Teil des Problems ist.

Dein Investment ist wie eine Wählerstimme. Du investierst und sprichst dich damit für nachhaltige Geschäftsmodelle aus.

Der zweite Vorteil ist die Rendite, weil nachhaltige Unternehmen langfristig eine bessere Performance haben werden. In diesen Unternehmen macht man sich Gedanken darüber, was in 10 bis 20 Jahren wichtig sein wird, und das spiegelt sich am Ende in der Effektivität des Unternehmens  wider.

In welche nachhaltigen Finanzprodukte investierst du?

Ich nutze gerne ETFs, weil sie günstig, bequem und diversifiziert sind. Am liebsten investiere ich in die SRI (socially responsible investing) ETF von MSCI. Hier gibt es einen „best-in-class“ approach, bei dem nur die nachhaltigsten 20 % der Unternehmen in ihrer jeweiligen Branche ausgewählt werden. Außerdem werden Unternehmen aus Branchen, die als unethisch eingestuft werden, von vornherein ausgeschlossen. Dazu zählen unter anderem Tabak- oder Waffenindustrie sowie Unternehmen, die Einnahmen aus der Gewinnung von Kohle und Öl erzielen oder die nicht den Grundsätzen des Global Compact (UNGC) der Vereinten Nationen entsprechen.

Wenn man den MSCI Europe SRI mit dem regulären MSCI Europe vergleicht, zeigt sich eine enorme Verbesserung in der Nachhaltigkeitsbewertung. Das liegt daran, dass 74 % der Unternehmen ausgeschlossen werden, weil sie nicht nachhaltig genug agieren. Andere Fonds screenen im Vergleich dazu viel ungenauer. Bei vielen ESG-basierten Fonds werden nur Unternehmen aus unethischen Bereichen ausgeschlossen und das ist oft zu wenig, um die Nachhaltigkeit wirklich zu steigern.

Das ist für uns ein wichtiger Grund zu sagen, man sollte lieber in Aktien investieren. Viele ETFs haben unzureichende Kriterien und schließen Unternehmen ein, die nicht wirklich nachhaltig agieren. 

Ja, auf jeden Fall! Ich würde nicht alle ETFs verteufeln – da gibt es, wie gesagt, große Unterschiede. Aber man sollte auf jeden Fall einen zweiten Blick auf die Auswahlkriterien werfen und sich näher mit den einzelnen Unternehmen im ETF beschäftigen.

Wenn du dir beispielsweise einen ETF anschaust, der Anleihen aus Entwicklungsländern beinhaltet, fällt auf, dass viele dieser Anleihen schlechtere ESG-Werte haben. Dann wird eventuell klar, dass dir manche Märkte grundsätzlich nicht nachhaltig genug sind. Auf der anderen Seite will man ja vor allem Entwicklungsländer nicht wirtschaftlich ausschließen. Solche Fragen sind wirklich kompliziert.

Deshalb ist es so wichtig, dass Unternehmen wie Sagefund einem dabei helfen, eine Vorauswahl zu treffen. Ein ähnliches Ziel haben wir ja auch – nur im Bezug auf Einzelaktien. Du hast neulich erwähnt, dass du selber auch in nachhaltige Aktien investierst. Wie gehst du da bei der Auswahl vor?  

Für die ESG-Perspektive nutze ich verschiedene freie Datenbanken mit Scoring-Systemen, bei denen ich ein bestimmtes Grundvertrauen in die Auswertung habe. Zusätzlich schaue ich mir Sustainability-Reports an, weil man dadurch ein Gefühl dafür bekommt, ob das Unternehmen nur Greenwashing betreibt. Für die Performance-Sicht benutze ich Plattformen wie Simply Wall St oder Morningstar.

Man sollte natürlich auch beide Aspekte beachten und die Finanzkennzahlen von Unternehmen nicht außer Acht lassen. Deshalb versuchen wir bei Leeway, beides zusammenzubringen und auf einen Blick darzustellen. 

Das wäre sehr bequem. Momentan stört mich noch, dass ich mir alle Informationen aus sechs oder sieben verschiedenen Quellen zusammensuchen muss.

Das macht es ja auch so schwierig. Informationen müssen zugänglicher gemacht werden, damit Unternehmen gezwungen sind, nachhaltig zu handeln und transparenter zu werden. Deshalb ist es gut, dass es inzwischen eine Reihe von Fintechs gibt, die den Markt in diese Richtung entwickeln. 

Ja, mir gefällt, dass ihr Daten zugänglicher machen wollt. Andere Datenanbieter sind ja hauptsächlich auf große Unternehmen ausgerichtet und es kostet jährlich einige tausend Euro, um an die Datensätze heranzukommen.

Welche Trends und Entwicklungen prognostiziert du für nachhaltige Investitionen, gerade in Bezug auf Fintechs?

Mehr Auswahl bei ETFs, sinkende Kosten und einheitliche Standards: Im Bereich der ETFs findet sich inzwischen eine große Auswahl an Angeboten sowie Analysemethoden und Zertifizierungen.

Ich hoffe, dass nachhaltig orientierte Investoren bald nicht mehr benachteiligt werden und dass die Kosten der ETFs sinken – denn die sind vergleichsweise immer noch sehr hoch.

Standards müssen einheitlicher gestaltet werden. Momentan gibt es immer noch viel Greenwashing.

Es wäre cool, wenn es eine Kennzeichnung gäbe, bei der man darauf vertrauen kann, dass sie bestimmten Standards folgt – wie eine Art Bio-Label. Viele Robo Advisor bieten jetzt beispielsweise ESG-Lösungen, suchen dabei aber immer die günstigsten ETFs heraus, die viel zu wenig selektieren. Das ist meiner Meinung nach Greenwashing. Informationen sind nicht transparent. Nachhaltigkeit dient nur als Werbemittel.

Das ist ein sehr kritischer Punkt. Um Nachhaltigkeitsanalysen zu günstigen Kosten zugänglich zu machen, müsste die Auswertung stärker automatisiert werden. Das ist jetzt noch eine extrem große Herausforderung. Einheitliche Standards würden die Automatisierung begünstigen und außerdem weniger Raum für Greenwashing bieten. 

Vielen Dank!

– Das Interview wurde geführt von Emma Philipp.

Jetzt zu Leeway.tech

Autor: Emma Philipp

Beitrag melden

Geschrieben von Leeway

Was denkst du über den Beitrag?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Reich nach Plan: In 10 Stufen zur ersten Million

Strategie P2P: Meine persönliche P2P-Elite-Liga